
Beim erstmals in Tschechien abgehaltenen Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten auf dem Brünner Messegelände wurden die Gäste von Demonstranten mit offener Feindseligkeit empfangen. Auf Spruchbändern stand: „Sie sind hier nicht willkommen.“ Ein beschämendes Signal aus einem EU-Land, das sich mit der brutalen Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen bis heute offenbar schwertut.
Dabei kamen die Sudetendeutschen ausdrücklich mit versöhnlichen Worten. Bernd Posselt, der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, betonte: „Wir haben eine klare Botschaft“, und diese sei „nicht eine des Hasses, sondern der Liebe“.
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „großen Friedensfest“ und nannte die Sudetendeutschen „absolute Brückenbauer“. Bayern übernahm 1954 die Schirmherrschaft über die Volksgruppe. Doch Teile der tschechischen Politik blieben fern oder stellten sogar den Austragungsort infrage.
Die Brünner Oberbürgermeisterin Marketa Vankova sah das anders als viele ihrer Politiker-Kollegen: „Unrecht lässt sich nicht durch weiteres Unrecht aufheben.“ Wer von europäischer Versöhnung spricht, darf die Vertreibung der Deutschen nicht verdrängen oder relativieren.
