Hormus dicht, Kushner in Genf: Bringt die Israel-Lobby den Friedensplan zu Fall?
20.6.2026, 18:50:48

Ein Kommentar von AUF1-Nachrichtenleiter Martin Müller-Mertens

Am Mittag schloss der Iran erneut die Straße von Hormus. Teheran reagiert damit auf erkennbare Versuche, die Friedensgespräche zu torpedieren. Begründet wurde der Schritt zunächst mit dem „offenkundigen Verstoß der Vereinigten Staaten gegen den ersten Artikel der Nachkriegs-Absichtserklärung“. Erst danach verwies Teheran auf israelische Angriffe im Libanon. Diese Reihenfolge ist wichtig für das Verständnis der Aussage. Denn der Iran benennt als Hauptproblem nicht das Verhalten Israels selbst. Im Mittelpunkt steht vielmehr, dass Washington Benjamin Netanjahu nicht von weiteren Angriffen abhält. Teheran zielt damit offenbar auf die Kräfte in den USA, die hinter einer Fortsetzung der Konfrontation stehen – und weniger auf Israel unmittelbar. Dem gingen zwei bemerkenswerte Ereignisse voraus. Zunächst griff Vizepräsident J.D. Vance, der als vergleichsweise kriegsskeptisch gilt, die Regierung Netanjahu auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus hart an – er wählte jedoch eine Form, die dem israelischen Premier einen gesichtswahrenden Ausweg ließ. Die Formulierung war so ausgefeilt, dass sie vorbereitet gewesen sein muss. Dass der Vizepräsident zu einem derart wichtigen Thema vor die Presse tritt – und nicht Donald Trump oder seine Sprecherin Karoline Leavitt –, ist ungewöhnlich. Das spricht für Auseinandersetzungen hinter den Kulissen Washingtons. Es könnte auch bedeuten, dass Trump zunächst abwartet, welches Lager sich am Ende durchsetzt. Kurz darauf fuhr Vance überraschend nicht zu den geplanten Iran-Gesprächen in der Schweiz. Eventuell wurde ihm die Reise verboten. Stattdessen reiste das Unterhändler-Duo Jared Kushner und Steve Witkoff an. Beide gelten als besonders israelnah. Kushner soll Verbindungen zur ultraorthodoxen Chabad-Lubawitsch-Bewegung unterhalten. Donald Trump steht gegenwärtig unter erheblichem Druck. Denn das Rahmenabkommen dokumentiert das Ergebnis des von ihm begonnenen Krieges. Der weitgehende Verlust amerikanischen Einflusses in der Golfregion wäre eine der schwersten strategischen Niederlagen der Vereinigten Staaten seit dem Fall von Saigon. In den vergangenen Stunden halluzinierte Trump auf Truth Social erneut über einen angeblich großen Sieg und stellte gleichzeitig Teile des Rahmenabkommens infrage. Seine zügellose Eitelkeit und die Interessen der Israel-Lobby könnten sich nun gegenseitig verstärken.

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