
Ein Kommentar von AUF1-Nachrichtenleiter Martin Müller-Mertens
Eine scheinbare Randbemerkung von Trumps UN-Botschafter Michael Waltz lässt das Blut in den Adern gefrieren – denn sie deutet auf grenzenlose Kriegspläne aus einem Geist ideologischer Selbstüberhöhung. Die aggressivste Denkschule der US-Hegemonialpolitik scheint zurück an den Schalthebeln der Macht.
Waltz lobte den Iran-Krieg mit der Formel „moral clarity“ – „moralische Klarheit“. Dieselben Worte verwendete Trump kürzlich in seiner Rede zur Lage der Nation.
„Moralische Klarheit“ ist im Denken des US-Establishments keine Floskel, sondern eine Drohung. Den Begriff entwickelte der konservative Publizist William Bennett. Er prägte das Konzept in der Ära Ronald Reagans und schärfte es während des Irakkriegs 2003.
Die Kerngedanken:
🔷Kriege mit Beteiligung der USA sind Auseinandersetzungen zwischen „Gut“ und „Böse“.
🔷Amerikanische Werte gelten universell und müssen militärisch durchgesetzt werden.
🔷Zivile Opfer und Kriegsverbrechen sind unschön, aber im Zweifel notwendig; Kritik daran ist moralische Relativierung.
Bennett war Teil des „Project for the New American Century“, eines einflussreichen Thinktanks, der die globale Dominanz der USA auch mit militärischen Mitteln propagierte und die Politik George W. Bushs prägte. In seiner ersten Amtszeit hielt Trump neokonservative Hardliner auf Distanz. Nun scheint die „moralische Klarheit“ ins Zentrum der Macht zurückzukehren.
